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Schmerzhafte Gelenkserkrankungen

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Wenn alltägliche Verrichtungen wie das Öffnen einer Flasche, das Zubinden der Schnürsenkel oder Treppensteigen zum Problem ausarten.

In Österreich leiden rund 2 Millionen Menschen an rheumatischen Erkrankungen. Nicht ohne Grund spricht man daher oft von der „Volkskrankheit Rheuma“. Entgegen der weit verbreiteten Meinung handelt es sich dabei aber nicht um eine einheitliche Krankheitsform, sondern um viele verschiedene Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Ein frühzeitiger Arztbesuch kann den Verlauf vieler rheumatischer Erkrankungen verlangsamen. Modernste Diagnose- und Behandlungsmethoden und innovative Medikamente tragen heute dazu bei, die Situation der Betroffenen erheblich zu verbessern, ihre Schmerzen zu lindern und damit ihre Lebensqualität zu erhöhen.

Wie auch bei anderen v.a. chronisch-progressiven Krankheiten kommt der Beteiligung und Einstellung des Patienten selbst zur Störung und deren Behandlung eine tragende Rolle zu. Viele Angebote zur Therapie-Ergänzung und Alternativmethoden führten in den letzten Jahren teilweise zu überhöhten Erwartungen oder Unsicherheit bei der Auswahl des Mittels oder der Methode. Eine Voraussetzung für den Erfolg bei der Selbstbehandlung ist neben der richtigen Fachberatung durch Arzt und Apotheker auch eine gewisse Grundkenntnis des medizinischen Problems.

Unterstützung bei der Selbsthilfe erhalten Rheumabetroffene auch von der Österreichischen Rheumaliga.

Um den Überblick zu behalten, werden die etwa 300 verschiedenen Krankheitsbilder des rheumatischen Formenkreises in Gruppen zusammengefasst (unvollständige, auf Gelenke reduzierte Liste):

Entzündliche Gelenkerkrankungen

Arthritis:

Entzündliche systemische Gelenkerkrankungen mit ihrer schwersten Ausprägung, der chronischen Polyarthritis, bei der gleich mehrere Gelenke entzündet sind, sich verformen und schließlich unbeweglich werden.

Weichteilrheumatismus:

Nicht Gelenke, sondern Muskeln, Bänder, Sehnen und Schleimbeutel sind von den schmerzhaften Veränderungen betroffen.

Degenerative Gelenkerkrankungen

Arthrose:

Weit häufiger als entzündliches Rheuma kommen degenerative, also vorwiegend verschleißbedingte, rheumatische Erkrankungen vor, die so genannten Osteoarthrosen

In diesem Artikel werden die beiden häufigsten und miteinander manchmal auch durch die Allgemeinbezeichnung Rheuma verwechselten Formen Polyarthritis und Arthrose behandelt.

Rheumatoide Arthritis (früher chronische Polyarthritis genannt):

Die Rheumatoide Arthritis (RA) gehört weltweit mit 1% Prävalenz zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen der Bevölkerung. Frauen erkranken 2-4x häufiger, wobei der Krankheitsbeginn vorzugsweise zwischen dem 4. und 5. Lebensjahrzehnt stattfindet. Die Symptome der RA werden v.a. im Alter oft mit degenerativen Gelenkserkrankungen und Osteoporose assoziiert, wodurch die Erkrankung oft spät erkannt und nur unzureichend behandelt wird. Gerade die RA muss möglichst frühzeitig und aggressiv behandelt werden, um eine völlige Gelenkszerstörung langfristig zu verhindern.

Die Entstehungsgeschichte und die Auslöser der RA sind vielfältig und trotz intensiver Forschung noch immer unklar. Sie wird durch 7 Hauptkriterien charakterisiert:

  1. Morgensteifigkeit von mind. 1 Stunde Dauer
  2. Arthritis (Gelenksentzündung) im Bereich der Hände
  3. Symmetrische Arthritis
  4. Rheumaknoten
  5. Pos. Rheumafaktoren
  6. Typische radiologische Veränderungen
  7. Arthritis von mind. 3 verschiedenen Gelenksarealen

Treffen 4 der genannten Kriterien zu gilt für den Facharzt die Diagnose als gesichert.

Neben der symptomatischen Schmerzbehandlung durch „Antirheumatika“ sowie der Eindämmung akuter Entzündungen durch Cortison ist bei der RA die Basistherapie besonders bedeutend, um die Progression zu verhindern. Bekannteste Medikamente sind jene auf Basis von Gold, Cyclosporin A, Methotrexat und andere neue Wirkstoffe, welche durch biotechnologische Verfahren hergestellt und verfeinert werden. Leider ist mit den meisten symptomatisch und auch immunmodulierend wirkenden Medikamenten ein Nebenwirkungsprofil verbunden, das viele Patienten abschreckt und zu Therapieverweigerern macht. Gute Dosiseinstellung und lückenlose Begleitkontrollen sorgen jedoch dafür, dass der Nutzen das Risiko überwiegt.

Arthrose:

Die Gelenksabnutzung (Arthrose) ist die mit Abstand häufigste Gelenkserkrankung und darf als wahre Volkskrankheit bezeichnet werden. Bereits ab dem 30. Lebensjahr leiden die Gelenke unter Abnutzung. Je früher dieser Prozess gestoppt bzw. verlangsamt wird, um so größer ist der Therapieerfolg.

Von Arthrose betroffen sind vor allem die Gelenke, die wir am meisten beanspruchen: die durch das Körpergewicht belasteten Knie- (Gonarthrose), Hüft- (Coxarthrose) und Sprunggelenke. Zur zweiten großen Gruppe zählen Hand-, Finger- und Zehengelenke.

Bei der Gelenksabnutzung wird in erster Linie der Gelenksknorpel zerstört. Da Knorpelzellen keinerlei Schmerz wahrnehmen können, bleiben die Verschleißerscheinungen lange Zeit unbemerkt und Schmerzen treten erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Deshalb ist die Suche nach Frühzeichen der Erkrankung besonders wichtig. Wenn Sie unter folgenden Beschwerden leiden, könnte eine beginnende Gelenksabnützung dahinterstecken:

  • Gelenksteifigkeit: diese ist meist bei den ersten Bewegungen nach einer Ruhelage ausgeprägt und kann einige Sekunden bis einige Minuten dauern. So schmerzen nach längerem Sitzen Knie und Hüfte bei den ersten Schritten. Mit der Bewegung lässt der Schmerz schnell nach.
  • In der Früh sind oft alle Gelenke steif. Die Fingergelenke schmerzen bei der Zubereitung des Frühstücks.
  • Kraftlosigkeit: Immer wieder wird von Patienten ein plötzliches „Einknicken“ der Beine angegeben. Man hat das Gefühl, dass die Hüfte, das Knie oder das Sprunggelenk plötzlich nachgeben. Besonders bei den Händen macht sich die Kraftlosigkeit bei der Hausarbeit bemerkbar. Dies geht sogar so weit, dass einem Gegenstände aus der Hand fallen können. Dosen oder andere Verschlüsse kann man kaum mehr öffnen.
  • Gelenksgeräusche bei Belastung: Knacksen oder ähnliche Reibegeräusche können erste Hinweise für eine beginnende Arthrose sein.
  • Bewegungseinschränkung: Auch wenn noch keine wesentlichen Schmerzen vorhanden sind, sollte eine Abnahme des Bewegungsumfanges eines Gelenkes an eine Abnützung denken lassen. Bei Abnützung in der Schulter wird das Mantelanziehen oft schwierig und schmerzhaft.

Fortgeschrittene Anzeichen sind:

  • Nächtliche und witterungsabhängige Schmerzen: Sie betreffen gleichmäßig alle Gelenke, sind oft erheblich und weisen auf den bereits starken Verschleiß hin.
  • Ermüdungs- und Belastungsschmerzen: Die fortgeschrittene Zerstörung des Gelenksknorpels macht sich bei der Bewegung bemerkbar und führt zusätzlich zu einer Beeinträchtigung der Gelenksbeweglichkeit.
  • Gelenksschwellung und Druckschmerz: Das ständige Reiben der Gelenksflächen führt zu einer entzündlichen Reaktion im Gelenk mit Bildung eines Gelenksergusses. Das Gelenk ist deutlich geschwollen, oft überwärmt und erheblich druck- und berührungsempfindlich.

Die Therapie:

Die Therapie der Arthrose besteht hauptsächlich aus einer Kombination aus medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungen. Einerseits um die Schmerzen zu lindem, andererseits um eine weitgehende Funktionalität der Gelenke zu erhalten.

Basistherapie der Arthrose ist die frühzeitige nicht-medikamentöse Therapie, allenfalls Gewichtsreduktion zur Gelenksentlastung, Physio- und Trainingstherapie zur Erhaltung der Gelenksbeweglichkeit, ergotherapeutische Maßnahmen zum Schutz der Gelenke und Balneotherapie zur Verbesserung der Durchblutung. Schmerzfreiheit ist Behandlungsziel Nr. l bei einer aktivierten Arthrose. Mittel der Wahl sind Antirheumatika und Analgetika. Arthroskopische Operationsmethoden (z. B. Knorpelglättung) ergänzen die Therapiemöglichkeiten: Sie stellen eine temporäre Alternative zum Gelenkersatz dar.

Aktuelle Entwicklungen erlauben es, Knorpelzellen, welche arthroskopisch entnommen werden, in der Zellkultur zu vermehren und später zu implantieren.

Neben diesen Behandlungsoptionen ist eine jeweilige (physikalische) Begleittherapie in Absprache mit dem behandelnden Arzt immer sinnvoll.

Naturheilmittel

Diätetische Maßnahmen und Naturheilmittel können die Lebensqualität des Patienten positiv beeinflussen. So sind z. B. die in der Hagebutte enthaltenen Vitamine, Bioflavonoide und Mineralstoffe in der begleitenden Rheumatherapie eine wertvolle Ergänzung, deren Wirkung auch in klinischen Untersuchungen überprüft wurde.

Stand April 2021